Braucht unser Kind Sprachtherapie?

Sprachentwicklung von Kindern im Alter von 0-5Jahren

Vorsprachliche Fähigkeiten U3 bis U5

1. Das Vorsilbenalter (0 – 5 Monate)
2. Das Silbenalter (6 – 12 Monate)


In den ersten sechs bis sieben Wochen (U3) ist das reflexhafte Schreien vorherrschend, z.B. bei Hunger oder Schmerz. Auf der Seite der Rezeption lässt sich überprüfen, ob der Säugling schreckhafte Reaktionen auf laute Geräusche zeigt.
Ab etwa drei Monaten (U4) beginnt der Säugling mit seinen Sprechorganen zu experimentieren. Dabei erzeugt er verschiedene Geräusche, wie Quietschen, Brummen usw. sowie erste Gurrlaute, z.B. „nga“, „ngrr“. Diese Laute werden auch von gehörlosen Kindern produziert!
Wünsche oder Missfallen werden nun gezielter deutlich gemacht, z.B. durch Schreien, Wegdrehen oder Abbrechen von Blickkontakt. Rezeptiv kann beobachtet werden, dass der Säugling mit drei Monaten aktiv mit den Augen nach der Schallquelle sucht. Mit etwa vier Monaten dreht er seinen Kopf in Richtung Schallquelle.
Ab etwa 6 Monaten (U5) beginnt das Silbenplappern, z.B. „baba“, „dada“. Die Laute werden nun zunehmend an die Muttersprache angepasst. Da gehörlose Kinder keine Lallsequenzen produzieren, sollte eine Gehörüberprüfung veranlasst werden, wenn die Lautproduktionen mit etwa einem halben Jahr stagnieren.

Sprachentwicklung 10. – 12. Lebensmonat (U6)

Sprachverstehen
  • Reagiert auf seinen Namen, indem es sich zum Sprecher wendet.
  • Reagiert auf die Aufforderung „Komm her!“, indem es kommt.

Gesten
  • Ahmt kulturabhängige Gesten wie „winke-winke“ nach.
  • Zeigt auf den Gegenstand, den es haben mochte.
  • Kopfschütteln, wenn es etwas nicht will; Nicken, wenn es einverstanden ist.

Sprachproduktion
  • Produziert mehrsilbige Lautketten mit unterschiedlichen Konsonanten, z.B. „maba“ (=variables Lallen). Der Lautbestand ist der Muttersprache angepasst.
  • Spricht erste Wörter, z.B. „Mama“, „nein“, „wau-wau“.
  • Versucht Wörter (z.B. „Mama“), Silben (z.B. „dada“, „„baba“) oder Geräusche (z.B. Motorengeräusche) nachzuahmen.

Dabei treten verschiedene alterstypische Vereinfachungsprozesse auf:
  • Silbenverdopplungen: z.B. Ball = „Baba“
  • Auslassung unbetonter Silben: z.B. Banane = „Nane“
  • Lautauslassungen, meist finaler Konsonanten: z.B. Löffel = „Löffe“
  • Vereinfachung von Konsonantenverbindungen: z.B. Brot = „Bot“
  • Lautersetzungen, meist von Zischlauten: z.B. Schuh = „Tu“

Sprachentwicklung 21. – 24. Lebensmonat (U7)

Sprachverstehen
  • Der passive Wortschatz umfasst ca. 200 Wörter,
  • Versteht einfache Aufforderungen, z.B. „Hol den Ball!“, „Zeig mir den Stuhl!.

Sprachproduktion
  • Produziert vordere Plosive und Nasale, zum Beispiel m, b, p, d, t, n, sowie l.
  • Spricht einige Frikative und hintere Laute, zum Beispiel f, w, g, k.
  • Alterstypische Vereinfachungsprozesse (vgl. U6). Außerdem: Fehlbildung des S-Lautes (Lispeln)

Wortschatz
  • Spricht mit 18 Monaten etwa 50 - 200 Wörter:
  • Substantive, z.B. Körperteile, Spielsachen.
  • Funktionswörter, wie „da“, „mehr“, „auch“.
  • Erste Verben, wie „haben“ oder „aufmachen“.

Grammatik
  • Produziert Zweiwortäußerungen, zum Beispiel „Ball haben!“, „Puppe schlafen!“
  • Benutzt Negationswörter, z.B. „Nicht haben!“
  • Erstes Fragealter: Einwortfragen mit ansteigender Tonhöhe, z.B. „Is das?“.

Sprachentwicklung 32. – 36. Lebensmonat (U7a)

Sprachverstehen
  • Versteht Zweifachaufträge, z.B. „Lege den Löffel in die Tasse!“
  • Kann Grundfarben zuordnen.
  • Versteht einfache lokale Präpositionen („in“, „auf“, unter“ usw.).

Sprachproduktion
  • Spricht alle Laute korrekt, bis auf die Zischlaute s, sch, ch.
  • Erste Konsonantenverbindungen, zum Beispiel bl, fl.
  • Einige alterstypische Vereinfachungsprozesse:
  • Vereinfachung von Konsonantenverbindungen
  • Lautersetzungen v.a. von sch und ch, z.B. „Schuh“ = „Su“, „Ich“ = „Is“
  • Lautangleichungen, z.B. „Treppe“ = „Kreppe“, „Drei“ = „Grei“
  • Sigmatismus
  • Achtung: Mit 3,5 Jahren sind Probleme bei t, d, n und/oder häufige Lautersetzungen am Wortanfang durch den Laut „h“ nicht mehr altersgerecht.

Wortschatz
  • Spricht mit 30 Monaten etwa 450 Wörter:
  • Gebraucht Verben, Adjektive, Adverbien, Artikel.
  • Erste Präpositionen, z.B. „auf“, „unter“.
  • Personalpronomen, z.B. „ich“, „du“, „mein“.
  • Benennt Grundfarben.

Sprechflüssigkeit
  • Im 4. Lebensjahr können bei einigen Kindern normale Unflüssigkeiten auftreten, die weder vom Kind noch von den Eltern als auffällig empfunden werden: Wiederholungen von Satzteilen und langsame Wiederholungen von ganzen Wörtern. Ein Beispiel: „Ich will - ich will - ich will Saft haben.“
  • Achtung: auch typisches Alter des Stotterbeginns mit stottertypischen Unflüssigkeiten. Alamierende Signale sind: Wiederholungen von Lauten und Silben, Verlängerungen von Lauten und Blockierungen von Wörtern oder innerhalb eines Wortes.

Sprachentwicklung 58. – 64. Lebensmonat (U9)

Sprachverstehen
  • Befolgt Aufträge in korrekter Reihenfolge, zum Beispiel: „Nimm den kleinen Hund und stelle ihn vor die grüne Hütte!“.

Sprachproduktion
  • Spricht alle Laute bis auf den S-Laut korrekt.

Wortschatz
  • Verwendet Oberbegriffe, zum Beispiel: Kleidung, Spielzeug, Obst....
  • Benutzt abstrakte Begriffe, zum Beispiel: „Glück“.
  • Zählt bis 10.

Grammatik
  • Verwendet Pluralformen ohne Stammvokalveränderung korrekt (Puppen, Pferde, Kinder, Autos). Hinweis: Der korrekte Gebrauch von Formen, die im Stammvokal verändert sind (z.B. „Häuser“ oder „Gläser“), kann sich bis ins 10. Lebensjahr hinziehen.
  • Zeigt noch Unsicherheiten bei verneinten Sätzen, Frage- und Passivsätzen.
  • Erzählt kleine Geschichten nach.

BERATUNG

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